SM-Alltag: Abrichtung erzeugt jedes Mal eine neue Welt

Meines Erachtens unterscheidet sich Versklavung und Abrichtung im SM-Alltag vom Sub im BDSM-Spiel im Punkt der Ausgestaltung des Rahmens. Es stellt sich also ein dreistufiger Übergang ein, vom Film im Kopf, über das kontrollierte BDSM-Spiel, hin zur Abrichtung, auf die Sklave keinen Einfluss mehr nehmen kann.

Jede dieser Stufen bedeutet also den zunehmenden Verlust der Einflussnahme auf das Geschehen.
Das muss jedem ganz deutlich und klar sein.
Keinen Einfluss zu haben, wird nicht nur körperlich starke Auswirkungen erzeugen können, sondern auch und in besonderem Maße psychischen Einfluss nehmen. Mit der Entscheidung, mit der Wahl, keine Wahl mehr haben zu wollen, gibt man sich genau diesem Umstand hin, begibt sich in den Einflussbereich, übergibt sich in den Wirkungsbereich der Herrin.

Einvernehmliche Nichteinvernehmlichkeit 

Eine Kontroverse entsteht, wenn die Versklavung kein Spiel sein soll, sondern den realen, bewusst und selbst gewählten Rahmen des eigenen Lebens darstellen soll. Bereits mit dem Übergang in den Status Sklave, also abhängig von einer Domina als ihr Eigentum leben, gebe ich alle Rechte auf, die mir als Mensch und Bürger unserer Gesellschaft zustehen.

Ich weiß, das mag absolut weltfremd klingen, ist es aber meines Erachtens allein schon deswegen nicht, weil der Verlust aller Rechte nur auf dem Umstand basiert, ein Leben als Sklave führen zu wollen, es also vorher zu genau dieser Entscheidung kam. Wer das nicht leben will oder meint, es irgendwann nicht mehr aufrechthalten zu können, sollte derartige Entscheidungen lieber nicht treffen. Es sei denn, der Selbstbetrug spielt keine nennenswerte Rolle.

Also darf es keinen Aspekt mehr geben, der mich aus diesem Umstand wieder entlässt

Es war meine eigene Entscheidung, die mich nun genau an diesen Punkt führte, ich habe mich ganz bewusst dazu entschieden, keine Wahl mehr zu haben, bekannte ich mich zudem zu vollkommener und unwiderruflicher Unterwerfung.

Von dem Thema, wenn es dich einmal erfasst hat, wirst du nicht wieder loskommen

Seit ich denken kann, drehen sich meine Gedanken um das Thema, ich hatte also viele, sehr viele Jahre Zeit, mich umzusehen, einzustufen, zu lernen, zu erfahren, wahrzunehmen, anzunehmen und abzulehnen.

Irgendwann festigten sich meine Eindrücke, rückten zu Bildern zusammen, zu Filmen, Stufe 1, dessen Protagonist ich war. Übel, böse, abartig, voller Dreck, Menschenverachtung, Entmenschung, Sklaven, wie Tiere gehalten und behandelt, gefoltert, abgerichtet, benutzt und ausgebeutet, irgendwann entsorgt, weggeworfen, in irgendeinem Loch vegetierend am Leben gehalten, ein vergessenes Leben hinter Mauern, in Kellern, Käfigen.

Fremdbestimmung, Zwang und keine Form von Gnade als integrale Formen der Zuwendung. Wer hat diese oder ähnliche Fantasien nicht irgendwann einmal gehabt? Nacktes, kriechendes, in Ketten und Käfigen gehaltenes Fickfleisch, am Boden, zu den Füßen einer Domina, der letzte Dreck in einer nach oben offenen Nahrungskette. Vom Leben, was draußen stattfindet, keine Idee mehr zu haben. Keine Idee mehr von Kalender, von Jahren, Jahreszeit, Wetter, Tag oder Nacht, nichts mehr erfahren von dem, was auf der Welt, im eigenen Land, passiert, Politik, Wirtschaft, Gesellschaft. Einfach endgültig raus.

Neue Zustände, denen ich nichts mehr entgegenzusetzen habe

Die Bewegung in diese Richtung nehme ich wahr, denn das wirklich Böse daran ist, dass die Herrin in ihren Filmen genauso unterwegs ist, war und sein wird, wie ich. Damit entkoppelt sich meine Lust an den Filmen von meinen eigenen Möglichkeiten und dockt an dem Umstand an, dass ich mich für ein Leben als realer Sklave entschieden habe. In den nun mittlerweile bald sechs Jahren bin ich wehrlos geworden.

Hier wird alles noch einmal fürchterlich real - die Entkopplung findet statt

Die Entkopplung von den Möglichkeiten, Erwartungen und dem Wissen um die Aspekte von Abrichtung und Sklavenhaltung, findet immer mehr statt. Ich darf nicht mehr alles wissen und so wird es dann eben seinen Lauf nehmen.

Ich gehöre tatsächlich und vollkommen real einer Domina

Immer wieder werde ich nach meinen Grenzen gefragt, nach den Grenzen der Herrin. Um es nochmal ganz deutlich für mich und mir zuzuordnen: Ich bin Sklave, habe mich aus freien Stücken zu diesem Leben entschieden, unterschrieben, in einem Bekenntnis geschworen, vollkommen, unwiderruflich. Was soll ich dann noch ergänzen? Dort komme ich nicht mehr heraus, will es nicht, darf es zudem auch gar nicht mehr, und mittlerweile kann ich es auch gar nicht mehr, zu sehr bin ich dem Thema verfallen. Ich gehöre einer Domina.

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